Pilze beim Cannabisanbau: erkennen, behandeln und vorbeugen

Ein Pilz kann in wenigen Tagen eine Ernte ruinieren, in der Monate Arbeit stecken, und die schlimmsten Schäden entstehen meist auf der Zielgeraden der Blüte, wenn die Buds dicht sind und die Luftfeuchtigkeit steigt. Bei Cannabis richten Botrytis und Echter Mehltau an den oberirdischen Pflanzenteilen und Fusarium an den Wurzeln den größten Schaden an. Falscher Mehltau ist seltener, aber du solltest ihn kennen, weil er mit Echtem Mehltau verwechselt wird und anders behandelt wird.

Cannabispflanze mit Echtem Mehltau: weißer, mehliger Belag auf den Blättern, der bereits den blühenden Bud erreicht
Fortgeschrittener Echter Mehltau an einer Cannabispflanze: Der weiße Belag bedeckt die Blätter und breitet sich auf den Bud aus. Foto: Cannabislandia.

Warum Pilze an Cannabispflanzen auftreten

Pilzsporen sind in der Luft, im Boden, in Resten früherer Grows und an Werkzeugen. Ihre Anwesenheit allein reicht für eine Infektion nicht aus. Es müssen drei Dinge zusammenkommen: der Erreger, eine anfällige Pflanze und eine Umgebung, die ihn begünstigt. Fehlt eines davon, kann sich der Pilz nicht ausbreiten, und die Umgebung ist der Faktor, den du als Grower am besten im Griff hast.

Diese Faktoren spielen die größte Rolle:

  • Hohe Luftfeuchtigkeit und Wasser auf dem Gewebe. Wenn die Nachttemperatur bis zum Taupunkt sinkt, bildet sich ein Wasserfilm auf Blättern und Buds. Genau den brauchen viele Sporen zum Keimen.
  • Stehende Luft. Eine dichte Blattmasse ohne Luftbewegung erzeugt ein feuchtes Mikroklima in der Pflanze, auch wenn das Raumklima insgesamt in Ordnung scheint.
  • Verletzungen. Schlecht verheilte Schnittstellen, abgeknickte Stängel und Schäden durch Raupen oder Milben. Eine durch Spinnmilben oder andere Milben geschwächte Pflanze hat weniger Abwehrkräfte und mehr Eintrittspforten für Pilze.
  • Zu viel Stickstoff. Er erzeugt weiches, üppiges Gewebe, das leichter besiedelt wird.
  • Staunasses oder unbehandelt wiederverwendetes Substrat. Hier überdauern Wurzelpilze von einer Saison zur nächsten.

Indoor lässt sich das Klima am genauesten aus der Gefahrenzone halten, wenn du mit dem VPD (Dampfdruckdefizit) arbeitest. Er fasst Temperatur und Luftfeuchtigkeit in einem Wert zusammen und zeigt, wie stark die Pflanze tatsächlich transpiriert. Wenn du ihn an jede Phase anpasst, vermeidest du sowohl zu hohe Luftfeuchtigkeit als auch stehende Luft, die die meisten Pilze begünstigen.

Woran du erkennst, ob deine Cannabispflanze Pilzbefall hat

Eine Pflanze hat Pilzbefall, wenn etwas auftaucht, das nicht zu ihrem Gewebe gehört: weißer Belag, der sich mit dem Finger abwischen lässt, grauer oder violetter Flaum oder Gewebe, das von innen weich und dunkel wird. Auch Welke, die sich durch Gießen nicht bessert, ist ein Hinweis. Diese Tabelle dient als erste Orientierung, um den Pilz zu bestimmen:

Was du siehst Wo es auftritt Wahrscheinliche Ursache
Ein einzelnes kleines gelbes Blatt, das mitten in einem grünen Bud welkt; Inneres braun und weich; grauer Flaum Buds, vor allem die dicksten; manchmal Stängel Botrytis
Weißer, mehliger Belag, der sich mit dem Finger abwischen lässt Blattoberseite, zuerst die ältesten Blätter; danach Stängel und Buds Echter Mehltau
Gelbe oder blasse, von den Blattadern begrenzte Flecken mit gräulichem oder violettem Flaum direkt darunter Flecken auf der Oberseite; Flaum auf der Unterseite Falscher Mehltau (selten)
Welke, die sich durch Gießen nicht bessert; Stängelinneres braun oder rötlich; Stängelbasis dunkel und weich Wurzeln, Stängelbasis, ganze Pflanze Fusarium
Braune Flecken mit konzentrischen Ringen Blätter und manchmal Buds Alternaria

Liegt das Problem am Stängel, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Eine braune Läsion auf halber Höhe, die den Ast darüber vertrocknen lässt, deutet auf Botrytis hin; eine dunkle, weiche Basis oder ein braunes Inneres beim Anschneiden deutet auf Fusarium hin.

Schließe vor der Behandlung aus, was ähnlich aussieht. Nährstoffmängel verursachen symmetrische Vergilbungen, die einem Muster über die ganze Pflanze folgen, ohne Belag oder Flaum. Lichtverbrennungen treten nur an dem Teil auf, der der Lampe am nächsten ist. Rückstände von Sprühmitteln oder hartem Wasser hinterlassen weiße Flecken, die nicht von einem Tag auf den anderen wachsen. Eine Lupe mit 30- bis 60-facher Vergrößerung, wie du sie auch für die Trichome nutzt, hilft, einen Pilz von bloßem Staub oder Produktresten zu unterscheiden. Kontrolliere immer die Blattunterseiten und das Innere der dicksten Buds: Die ersten Symptome sind selten auf den ersten Blick sichtbar.

Botrytis oder Grauschimmel

Botrytis (Botrytis cinerea), auch Grauschimmel oder Budfäule genannt, ist der zerstörerischste Pilz für blühendes Cannabis. Er entwickelt sich bei milden Temperaturen, etwa zwischen 15 und 22 °C, und einer dauerhaften relativen Luftfeuchtigkeit über 85 %, vor allem wenn Wasser auf den Buds steht. Deshalb steigt das Risiko outdoor in den letzten Blütewochen stark an, wenn Regen, Nebel und kalte Nächte kommen, und indoor, wenn die Luftfeuchtigkeit in der Dunkelphase steigt.

Cannabis-Bud mit fortgeschrittener Botrytis: grauer Flaum und braunes Gewebe im Inneren, umgeben von noch gesunder Blüte
Wenn der Grauschimmel von außen sichtbar ist, steckt die Botrytis schon seit Tagen im Bud. Das erste Anzeichen ist viel unauffälliger: ein einzelnes kleines gelbes Blatt. Foto: Athena.

Symptome von Botrytis

Botrytis beginnt im Inneren. Das erste Anzeichen ist meist ein kleines Blatt am Bud, das vergilbt und welkt, während der Rest gesund aussieht. Öffnest du den Bud, findest du braunes, feuchtes, weiches Gewebe und in späteren Stadien einen grauen Flaum, der bei Berührung Staub abgibt (das sind Sporen). Botrytis kann auch Stängel befallen: Eine braune Läsion schnürt den Ast ab, und alles darüber welkt schlagartig.

Verwechsle sie nicht mit der natürlichen Seneszenz. Am Ende der Blüte vergilben die Zuckerblätter durch die Reife gleichmäßig, von außen nach innen und an der ganzen Pflanze, und das Gewebe darunter bleibt fest. Ein von Botrytis befallenes Blatt sitzt einzeln mitten in einem grünen Bud, lässt sich widerstandslos herausziehen und gibt den Blick auf eine braune Basis frei.

Fraßlöcher von Raupen sind eine sehr häufige Eintrittspforte: Wunde und Kot halten die Feuchtigkeit im Bud, genau dort, wo der Pilz sie braucht.

Botrytis bekämpfen

  • Schneide den befallenen Bud mit einigen Zentimetern Abstand ins gesunde Gewebe heraus. Stülpe nach Möglichkeit vor dem Schnitt eine Tüte darüber, damit keine Sporen auf den Rest der Pflanze fallen.
  • Desinfiziere die Schere zwischen den Schnitten mit 70-prozentigem Alkohol und wasch dir die Hände, bevor du andere Pflanzen berührst.
  • Entferne die Reste aus dem Growbereich, kompostiere sie nicht und kontrolliere die übrigen Buds täglich.
  • Senke die Luftfeuchtigkeit und erhöhe die Luftbewegung, vor allem nachts.
  • Wenn du am Ende der Blüte bist und mehrere Regentage angekündigt sind, erwäge, ein paar Tage früher zu ernten. Etwas Reife zu verlieren ist besser, als die Ernte zu verlieren.

Sprühe kein Mittel auf die Buds, ob selbst gemacht oder nicht: Du bringst Feuchtigkeit genau dorthin, wo keine sein sollte, und hinterlässt Rückstände auf dem, was du konsumieren willst. Vorbeugung findet vorher statt: mit biologischen Mitteln auf Bacillus-Basis in der Wachstumsphase und den ersten Blütewochen, mit Raupenbekämpfung (Bacillus thuringiensis ist das biologische Standardmittel) und vor allem über das Klima.

Mit den Fingern geöffneter Cannabis-Bud: grauweißer Schimmel im Inneren und braune Blättchen durch Botrytis
So sieht Botrytis aus, wenn man einen dicken Bud öffnet. Im Zweifel aufmachen: Der Schimmel beginnt innen und kann von außen unbemerkt bleiben. Foto: Greencultured.

Mit der Ernte ist Botrytis nicht vorbei. Öffne oder drücke beim Trimmen die dicksten Buds und sortiere jeden mit braunem Kern aus, bevor du ihn zu den anderen hängst. Ein Bud, der mit Feuchtigkeit im Inneren aufgehängt wird, kann beim Trocknen faulen, auch wenn er an der Pflanze gesund wirkte. Deshalb sollte der Trockenraum bei etwa 18 bis 21 °C und 55 bis 62 % Luftfeuchtigkeit gehalten werden, wobei die Luft um die Äste zirkulieren und nicht direkt darauf blasen sollte, wie wir in unserem Leitfaden zum Trocknen und curen von Cannabis erklären.

Echter Mehltau

Echter Mehltau an Cannabis wird hauptsächlich durch Golovinomyces ambrosiae verursacht (jahrelang als Golovinomyces cichoracearum bezeichnet), es wurde aber auch Podosphaera macularis nachgewiesen, der Echte Mehltau des Hopfens. Trotz des ähnlichen Namens ist er nicht dieselbe Krankheit wie Falscher Mehltau: Wer die beiden verwechselt, setzt Behandlungen ein, die nicht wirken.

Er verhält sich anders als Botrytis: Er braucht kein freies Wasser auf dem Blatt, um zu keimen, Wasser bremst ihn sogar. Er gedeiht bei 20 bis 27 °C, mäßiger Luftfeuchtigkeit, wenig Licht, geringer Luftbewegung und großen Unterschieden zwischen Tag und Nacht. Seine Sporen verbreiten sich über die Luft, und indoor gehören Stecklinge unbekannter Herkunft zu den häufigsten Einfallstoren, da sie infiziert sein können, ohne Symptome zu zeigen.

Symptome von Echtem Mehltau

Cannabisblatt mit Echtem Mehltau: weiße, mehlige Flecken, die zusammenwachsen und die Fiederblättchen zu bedecken beginnen
Echter Mehltau breitet sich aus: Die weißen Flecken wachsen zusammen, bis sie das Blatt bedecken. Jetzt ist der Moment zu handeln, bevor er die Buds erreicht.

Er beginnt mit kleinen, weißen, mehlig wirkenden Kreisen auf der Blattoberseite, vor allem an den ältesten und schattigsten Blättern. Die Flecken wachsen, verbinden sich und bedecken schließlich das ganze Blatt. Wischst du mit dem Finger darüber, lässt sich der Belag entfernen, und darunter bleibt gelbliches Gewebe zurück, weil die besiedelte Stelle keine richtige Photosynthese mehr betreibt. Ohne Gegenmaßnahmen greift er auf Stängel und Buds über, die sich mit einer weißlichen Schicht überziehen.

Echten Mehltau bekämpfen

In der Wachstumsphase ist der Spielraum groß. Entferne die am stärksten befallenen Blätter, pack sie in eine Tüte und führe eine Blattbehandlung durch. Benetze dabei beide Blattseiten gründlich und wechsle die Wirkstoffe, um Resistenzen zu vermeiden:

  • Schwefel: wirkt vorbeugend und heilend gegen Echten Mehltau. Über 30 bis 32 °C kann er die Blätter verbrennen, und er sollte erst mehrere Wochen nach einer Behandlung mit Ölen eingesetzt werden und umgekehrt.
  • Kaliumhydrogencarbonat: wirkt bei Kontakt, indem es den pH-Wert und das osmotische Gleichgewicht der Blattoberfläche verändert.
  • Biologische Mittel: Präparate auf Basis von Bacillus subtilis oder Bacillus amyloliquefaciens sowie der hyperparasitische Pilz Ampelomyces quisqualis, der den Echten Mehltau direkt angreift.

In der Blüte musst du zwei Zeitpunkte unterscheiden. In den ersten Wochen, solange die Stempel noch einzelne Punkte sind und sich noch nicht zu Büscheln zusammenschließen, kannst du weiterhin biologische Mittel auf die Blätter geben; Schwefel dagegen setzt du schon vor Beginn der Blüte ab, weil er Geruch und Geschmack hinterlässt. Sobald sich Blüten gebildet haben, wird nichts mehr darauf gesprüht: Dann bleibt nur, befallene Blätter zu entfernen, die Luftfeuchtigkeit zu senken und für Luftbewegung zu sorgen.

Indoor solltest du nach einem Befall die Zuluftfilter wechseln oder reinigen und Ventilatoren und Lüftungsrohre vor dem nächsten Grow säubern: Dort setzen sich Sporen fest und kommen mit der Luft zurück.

Vorbeugend stärkt Kaliumsilikat die Zellwände der Pflanze und erschwert es dem Mehltau, ins Gewebe einzudringen. Eine bestehende Infektion heilt es nicht, doch in Versuchen mit Hanf hat es als Blattspritzung die Entwicklung des Pilzes deutlich reduziert.

Falscher Mehltau

Falscher Mehltau ist bei Cannabis viel seltener als Echter Mehltau oder Botrytis und beschränkt sich meist auf Outdoor-Grows in feuchten Gegenden. Er wird von Pseudoperonospora cannabina verursacht und ist streng genommen kein echter Pilz, sondern ein Oomycet, ein mit den Braunalgen verwandter Organismus. Der Unterschied ist wichtig, weil manche Pilzmittel bei ihm nicht wirken.

Er braucht genau das Gegenteil von Echtem Mehltau: kühle Nächte um 15 bis 20 °C, eine Luftfeuchtigkeit über 90 % und mehrere Stunden nasses Laub. Die Sporen verbreiten sich mit dem Wind und mit Spritzwasser von Regen oder Gießwasser und dringen über die Spaltöffnungen ins Blatt ein.

Weinblatt mit Falschem und Echtem Mehltau gleichzeitig: eckige gelbe Flecken zwischen den Blattadern und weiße Belagflecken
Falscher Mehltau (links) und Echter Mehltau (rechts) auf demselben Blatt, hier von einer Weinrebe. Die eckigen gelben Flecken des Falschen Mehltaus und der weiße Belag des Echten Mehltaus sehen bei Cannabis genauso aus. Foto: David B. Langston, University of Georgia.

Symptome von Falschem Mehltau

Auf der Oberseite erscheinen blassgelbe Flecken, oft eckig, weil die Blattadern sie begrenzen, und manchmal durchscheinend oder ölig. Auf der Unterseite, direkt unter diesen Flecken, wächst ein grauer oder violetter Flaum, der frühmorgens am besten zu sehen ist. Später werden die Flecken dunkel und das Blatt fällt ab.

So unterscheidest du ihn vom Echten Mehltau: Echter Mehltau sitzt auf dem Blatt und lässt sich mit dem Finger abwischen; Falscher Mehltau verfärbt das Blatt von innen, der Flaum sitzt unten, und der gelbe Fleck bleibt.

Falschen Mehltau bekämpfen

Entferne die befallenen Blätter, mach das Laub nicht mehr nass, gieß früh am Tag und direkt an der Pflanzenbasis und vergrößere den Abstand zwischen den Pflanzen, damit die Luft zirkulieren kann. Zur Vorbeugung in der Wachstumsphase werden Kupferverbindungen eingesetzt (Bordeauxbrühe, Kupferoxychlorid oder andere Formen). Sie wirken gegen Oomyceten, hinterlassen aber Rückstände, die sich anreichern, und dürfen daher nicht in der Blüte verwendet werden. Biologische Mittel auf Bacillus-Basis sind eine Alternative, die sich in mehr Phasen einsetzen lässt.

Fusarium und andere Wurzelpilze

Fusarium ist ein Bodenpilz, der dort als Dauersporen mehrere Jahre überleben kann. Bei Cannabis verursacht er zwei unterschiedliche Krankheitsbilder:

  • Welkekrankheit (Fusarium oxysporum): Er dringt über die Wurzeln ein, besiedelt die wasserleitenden Gefäße und verstopft sie. Die Pflanze welkt, obwohl das Substrat feucht ist, manchmal nur auf einer Seite, und die unteren Blätter vergilben. Schneidest du den Stängel nahe der Basis auf, zeigt das Innere braune oder rötliche Streifen in Längsrichtung oder einen dunklen Ring, wenn der Schnitt quer verläuft.
  • Wurzel- und Stängelgrundfäule (Fusarium solani und andere Arten): Die Stängelbasis wird dunkel und weich, und die Wurzeln verfärben sich von weiß zu braun.
Längs aufgeschnittener Stängel mit Fusarium: braune Streifen im Inneren durch die verstopften wasserleitenden Gefäße
Fusarium-Welke in einem aufgeschnittenen Süßkartoffelstängel: Der Pilz verfärbt die Gefäße von innen dunkel. Bei Cannabis ist das Symptom dasselbe. Foto: Clemson University, USDA Cooperative Extension Slide Series, Bugwood.org (CC BY 3.0).

Begünstigt wird er durch eine warme Wurzelzone (25 bis 30 °C), zu viel Ammoniumstickstoff, saure Substrate, Übergießen und jede Verletzung der Wurzeln. Larven von Trauermücken verdienen besondere Aufmerksamkeit: Sie schädigen die Wurzeln und können Sporen übertragen.

Was tun bei Fusarium

Ist die Gefäßinfektion erst einmal im Gang, kann keine Behandlung sie rückgängig machen. Richtig ist es, die ganze Pflanze mit Wurzelballen zu entfernen, in eine Tüte zu packen, das Substrat zu entsorgen und Topf, Untersetzer, Werkzeug und Bewässerungssystem zu desinfizieren. Pflanze outdoor in der folgenden Saison kein Cannabis an derselben Stelle.

Wirklich hilft nur Vorbeugung: neues oder pasteurisiertes Substrat, gute Drainage, ein Gießrhythmus, der die Wurzeln atmen lässt, und nützliche Pilze wie Trichoderma (zum Beispiel Trichoderma harzianum), die den Wurzelraum besiedeln und mit den Krankheitserregern konkurrieren. Sie werden beim Umtopfen ausgebracht und dürfen nicht mit Breitbandfungiziden kombiniert werden, die sie abtöten würden.

Es gibt einen gegenteiligen, ebenso validen Ansatz. Bei mineralisch gedüngten Anbauten auf inertem Substrat, insbesondere auf Kokos sowie in Anlagen, die mikrobiologische Labortests bestehen müssen, besteht die Strategie nicht darin, den Wurzelbereich mit nützlichen Mikroorganismen zu besiedeln, sondern ihn frei von jeglichen Mikroben zu halten. Hierfür wird die Nährstofflösung mit Substanzen wie hypochloriger Säure oder Wasserstoffperoxid desinfiziert.

Beide Wege funktionieren und beide setzen auf strikte Hygiene, sie schließen sich jedoch gegenseitig aus: Ein Desinfektionsmittel unterscheidet nicht zwischen Nutzmikroben und Krankheitserregern. Trichoderma einzusetzen, während gleichzeitig das Gießwasser desinfiziert wird, ist wirkungslos. Entscheidend ist, sich für eine Methode zu entscheiden und diese konsequent durchzuziehen, ohne sie zu vermischen.

Als Orientierungshilfe: Ein lebendiges Substrat eignet sich vor allem für Erde, kleinere Grows und den Outdoor-Bereich; ein steriles System passt zu Kokos und Hydrokultur, zu Großanlagen sowie zu Betrieben, die für die mikrobielle Reinheit des Endprodukts garantieren müssen.

Ein Sonderfall ist Pythium, ein weiterer Oomycet, der die Umfallkrankheit (das Umkippen frisch gekeimter Sämlinge, englisch damping off) und Wurzelfäule in der Hydrokultur verursacht. Begünstigt wird er durch Übergießen und Nährlösungen über 22 bis 24 °C mit wenig gelöstem Sauerstoff.

Alternaria

Weniger bekannt als die anderen verursacht Alternaria braune Flecken mit konzentrischen Ringen auf den Blättern und kann bei warmem, feuchtem Klima auf die Buds übergreifen. Sie nutzt meist bereits geschwächte Pflanzen aus und wird oft mit Nährstoffmängeln verwechselt. Ausführlich behandeln wir sie in unserem Artikel über Alternaria beim Cannabisanbau.

Pilze bekämpfen: Behandlungen und der richtige Zeitpunkt

Um Pilze an einer Cannabispflanze zu bekämpfen, musst du an drei Fronten gleichzeitig ansetzen: befallenes Material entfernen, das Klima korrigieren, das die Infektion ermöglicht hat, und die passende Behandlung für den Pilz und die Wachstumsphase anwenden.

Fast alle Behandlungen wirken vor einer Infektion besser als danach, und bei der Auswahl geht es nicht nur um rechtliche, sondern auch um technische Kriterien. Kontaktmittel bleiben auf der Blattoberfläche und lassen sich absetzen, bevor sich die Blüte bildet. Systemische Mittel dringen in die Pflanze ein, verteilen sich darin und landen im Bud, den du konsumieren willst. Halte dich in jedem Fall an Dosierung und Fristen auf dem Etikett.

In vielen Ländern ist kein Fungizid, weder synthetisch noch mineralisch, speziell für Cannabis zugelassen. Prüfe deshalb vor der Anwendung eines Mittels die Vorschriften in deinem Land.

Da für Cannabis kaum Wartezeiten bis zur Ernte festgelegt sind, gilt als Faustregel: Sobald sich Blüten gebildet haben, wird nichts mehr ausgebracht.

Wann haben sich Blüten gebildet? Bei photoperiodischen Sorten, wenn die Stempel keine einzelnen Punkte mehr sind und sich zu Büscheln zusammenschließen. Das passiert meist in der zweiten oder dritten Woche nach der Umstellung auf Blüte, am Ende des Streckens. Bei Autoflowern etwa zwei Wochen nach den ersten Stempeln. Das ist ein grober Richtwert: Sorten mit langer Blütezeit brauchen länger, also zieh im Zweifel die letzte Behandlung vor.

Auf dieser Grundlage lassen sich die verfügbaren Behandlungen so einteilen:

  • Biologische Mittel: Bacillus subtilis, Bacillus amyloliquefaciens, Trichoderma und Ampelomyces quisqualis. Sie wirken vorbeugend, hinterlassen kaum oder keine Rückstände und müssen ausgebracht werden, bevor sich der Pilz festsetzt. Da es lebende Organismen sind, verlieren manche an Wirkung, wenn sie mit Kupfer oder anderen Fungiziden gemischt werden: Prüfe die Verträglichkeit auf dem Etikett, bevor du sie kombinierst.
  • Mineralische Mittel: Schwefel (Echter Mehltau), Kupfer (Falscher Mehltau und allgemeine Vorbeugung) und Kaliumhydrogencarbonat (Echter Mehltau). Sie wirken bei Kontakt und bleiben der Wachstumsphase vorbehalten.
  • Pflanzenextrakte: Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense), Propolis und einige ätherische Öle. Sie können die Vorbeugung unterstützen, ihre Wirkung ist aber begrenzt und schwankend. Sie sind eine Ergänzung, keine Lösung.
  • Synthetische systemische Fungizide: Triazole und ähnliche Wirkstoffgruppen. Als systemische Mittel hinterlassen sie Rückstände in der Blüte, und manche bilden beim Verbrennen giftige Verbindungen: Das bekannteste Beispiel ist Myclobutanil, das bei Zersetzung durch Hitze Cyanwasserstoff (Blausäure) freisetzt. Mehrere davon sind in der Europäischen Union nicht mehr zugelassen. Für den Eigenanbau sind sie in keiner Phase empfehlenswert.
Phase Was du tun kannst
Sämling und Steckling Sauberes Substrat, Trichoderma an den Wurzeln, Quarantäne für Stecklinge
Wachstumsphase Biologische Mittel, Schwefel, Kaliumhydrogencarbonat, Kupfer, Silikat, Auslichten für mehr Luftzirkulation
Blüte, Stempel noch einzeln Biologische Mittel auf die Blätter; Klima- und Schädlingskontrolle
Blüte, Stempel zu Büscheln gruppiert Nur Klima, Lüftung, Entfernen von befallenem Material und bei Bedarf vorgezogene Ernte

Bei Autoflowern, die schon wenige Wochen nach der Keimung zu blühen beginnen, schrumpfen die ersten beiden Zeilen auf einen sehr kurzen Zeitraum zusammen. Die Vorbeugung muss deshalb ab den ersten Lebenswochen beginnen, weil es keine lange Wachstumsphase gibt, in der man noch gegensteuern kann.

Hausmittel gegen Pilze: was wirkt und was nicht

  • Verdünnte Milch: Bei anderen Pflanzen ist eine gewisse Wirkung gegen Echten Mehltau belegt, sinnvoll ist sie aber nur in der Wachstumsphase. Auf Blüten hinterlässt sie Rückstände und Feuchtigkeit.
  • Wasserstoffperoxid: Tötet Sporen bei Kontakt an der Oberfläche ab, schützt aber nicht mehr, sobald es getrocknet ist, und erreicht den Pilz im Gewebe nicht. Es eignet sich eher zum Desinfizieren von Material als zur Behandlung von Pflanzen.
  • Neemöl: Kann in der Wachstumsphase helfen, aber nie in der Blüte, weil es sich im Harz festsetzt und Geruch und Geschmack verändert. Es darf auch nicht mit Schwefel kombiniert werden.
  • Schwefelverdampfer indoor: Sie wirken gegen Echten Mehltau, arbeiten aber mit Hitze in einem geschlossenen Raum, was die Gefahr reizender Dämpfe und eines Brandes birgt. Nur in der Wachstumsphase, ohne blühende Pflanzen im Raum und nach den Anweisungen des Herstellers.
  • Buds waschen: Entfernt oberflächlichen Staub, aber nicht den Pilz im Gewebe, und bringt zusätzliche Feuchtigkeit in Material, das ohnehin gefährdet ist.

Schimmel an Buds: so erkennst du ihn

An der Pflanze ist Schimmel an den Buds fast immer Botrytis oder Echter Mehltau, mit den oben beschriebenen Symptomen. Bei getrockneten Buds zeigt sich Botrytis als brauner oder grauer Kern, wenn du den Bud aufbrichst, und Echter Mehltau als weißlicher, mehliger Überzug auf der Blüte. Unter der Lupe lässt sich Schimmel von Trichomen unterscheiden: Trichome sind runde, glänzende Köpfchen auf einem Stiel; Schimmel bildet feine, spinnwebenartige Fäden. Weitere Anzeichen sind ein muffiger, kellerartiger Geruch und brauner oder grauer Staub, wenn du den Bud anfasst. Ammoniakgeruch im Fermentierglas zeigt zu viel Feuchtigkeit an: Das lässt sich noch beheben, ist aber die Vorstufe zum Schimmel.

Kann man Cannabis mit Pilzbefall rauchen?

Nein. Ein Bud mit sichtbarem Schimmel sollte nicht geraucht werden, egal ob Botrytis oder Echter Mehltau: Er ist besiedelt und voller Sporen und kann zusätzlich andere Pilze wie Aspergillus oder Penicillium beherbergen, die Mykotoxine bilden können. Das Rauchen von kontaminiertem Cannabis wurde mit Fällen von Lungenaspergillose in Verbindung gebracht, vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, und auch bei Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen ist das Risiko höher. Waschen oder Säubern hilft nicht, weil der Pilz im Gewebe sitzt. Entsorge den befallenen Bud und kontrolliere sorgfältig die, die daneben lagen.

Pilzbefall beim Cannabisanbau vorbeugen

  • Wähle Genetik, die zu deinem Klima passt. In feuchten Gegenden solltest du Sorten mit guter Schimmelresistenz und weniger kompakten Blüten wählen; in trockenen Gegenden hast du mehr Spielraum. Keine Sorte ist immun: Genetik senkt das Risiko, ersetzt aber nicht die Klimakontrolle.
  • Lass Platz. Halte Abstand zwischen den Pflanzen, entferne untere Äste, die kein Licht bekommen, und lichte das Innere aus, damit die Luft durch die Pflanze strömen kann.
  • Sorge für Luftbewegung. Indoor mit Oszillationsventilatoren im Raum, ständiger Abluft und, wenn möglich, einem Filter an der Zuluft, um Sporen von außen fernzuhalten.
  • Steuere die Luftfeuchtigkeit nach Phase. Als Richtwerte für indoor: 80 bis 90 % bei Stecklingen, 60 bis 75 % in der Wachstumsphase, 50 bis 60 % zu Blütebeginn, 45 bis 55 % zur Blütemitte und 35 bis 45 % in den letzten Wochen. Achte vor allem auf die Dunkelphase, in der die Luftfeuchtigkeit stark ansteigt.
  • Gieß richtig. Früh am Tag, an der Pflanzenbasis und ohne Staunässe.
  • Achte auf Hygiene. Reinige zwischen zwei Grows zuerst gründlich, um Reste und Staub zu entfernen, und desinfiziere dann Oberflächen, Werkzeug, Töpfe, Ventilatoren und Lüftungsrohre mit 70-prozentigem Alkohol, Wasserstoffperoxid oder verdünntem Hypochlorit (Chlorbleiche), immer getrennt und bei guter Lüftung: Misch sie niemals untereinander oder mit Ammoniak, weil Hypochlorit dabei giftige Gase freisetzt. Verwende neues oder behandeltes Substrat und stelle jeden Steckling von außen unter Quarantäne.
  • Bekämpfe Schädlinge. Milben, Raupen und Trauermücken öffnen Pilzen die Tür. Wir gehen in der Rubrik Schädlinge und Krankheiten auf jeden einzeln ein.
  • Kontrolliere regelmäßig. Zweimal pro Woche in der Wachstumsphase und täglich auf der Zielgeraden der Blüte, mit Blick auf die Blattunterseiten und das Innere der großen Buds.

Keine dieser Maßnahmen ist kompliziert. Den Unterschied macht die Beständigkeit, denn wenn das Symptom sichtbar wird, arbeitet der Pilz schon seit Tagen.

- Kategorie : Schädlinge und Krankheiten